Als ich angefangen habe, unsere Elternzeit zu planen, hatte ich vor allem eine Frage im Kopf: Reicht unser Geld? Das Elterngeld ist kleiner als das Gehalt, es kommt später als gedacht, und mein Einkommen aus der Selbstständigkeit schwankt sowieso von Monat zu Monat.
Deshalb habe ich mich lange vor der Geburt hingesetzt und ausgerechnet, wie viel uns pro Monat fehlt. Mit dem Ergebnis habe ich eine Rücklage aufgebaut. Das hat sich gelohnt, denn mein eigener Elterngeld-Antrag zieht sich bis heute.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich unser Budget für die Elternzeit geplant habe und was du tun kannst, wenn das Elterngeld trotzdem nicht reicht.
Warum das Elterngeld oft weniger ist als gedacht
Viele rechnen grob mit „zwei Drittel vom Gehalt“ und denken dabei ans Brutto. Das Elterngeld ersetzt aber etwa 65 bis 67 Prozent des Nettoeinkommens, das nach der Geburt wegfällt, und es hat einen Deckel. Beim Basiselterngeld sind es mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Beim ElterngeldPlus gibt es die Hälfte davon, dafür doppelt so lange.
Dazu kommen drei Punkte, die ich am Anfang selbst nicht auf dem Schirm hatte:
- Elterngeld wird nach Lebensmonaten des Kindes gezahlt, nicht nach Kalendermonaten. Kommt dein Baby am 18. auf die Welt, läuft jeder Elterngeld-Monat vom 18. bis zum 17. Mit deinen Abbuchungen am Monatsanfang passt das nicht automatisch zusammen.
- Mutterschaftsgeld und der Zuschuss vom Arbeitgeber werden in den ersten acht Wochen nach der Geburt angerechnet. Als Angestellte bekommst du in den ersten beiden Lebensmonaten deshalb meist kaum oder gar kein Elterngeld.
- Wenn du während des Bezugs etwas dazuverdienst, sinkt das Elterngeld. Wie genau, habe ich im Artikel zu ElterngeldPlus und Basiselterngeld mit Beispielen erklärt.
Die Lücke bis zur ersten Zahlung
Den Antrag kannst du erst nach der Geburt stellen. Rückwirkend zahlt die Elterngeldstelle höchstens für die letzten drei Monate vor dem Antrag. Und dann braucht die Bearbeitung Zeit.
Wie lange, ist sehr unterschiedlich. Bei uns lagen zwischen den beiden Anträgen Welten, obwohl wir sie zur selben Zeit abgegeben haben. Bei meinem Partner mit einem normalen Angestelltenjob ging es vergleichsweise schnell. Bei mir kommen Anstellung und Selbstständigkeit zusammen, und da gibt es offenbar immer noch eine Frage mehr.
Wenn die Zahlung auf sich warten lässt und es finanziell eng wird, sag das der Elterngeldstelle. Ein kurzer schriftlicher Hinweis, dass ihr auf das Geld angewiesen seid, kann helfen, dass dein Antrag nicht ganz unten im Stapel liegt. Versprechen kann das niemand, aber es kostet dich nur ein paar Zeilen. Selbstständige können außerdem nachfragen, ob das Elterngeld vorläufig bewilligt werden kann. Das ist möglich, wenn dein Einkommen noch nicht endgültig feststeht.
Für dein Budget heißt das: Plane die ersten Monate so, als käme noch gar kein Elterngeld. Kommt es früher, umso besser.
Schritt 1: Dein Basis-Einkommen für die Elternzeit
Bevor ich irgendetwas spare oder kürze, will ich wissen, mit wie viel Geld wir sicher rechnen können. Dafür zähle ich nur zusammen, was wirklich fest ist:
- dein Elterngeld (am besten aus einem Elterngeldrechner, eher vorsichtig geschätzt)
- das Kindergeld, 2026 sind das 259 Euro pro Kind und Monat
- das, was dein Partner oder deine Partnerin zum gemeinsamen Haushalt beiträgt
- ein Nebenverdienst nur dann, wenn er wirklich verlässlich ist
Bei schwankenden Einnahmen nehme ich nicht den Durchschnitt, sondern den Betrag, der auch in einem schwachen Monat ankommt. Genau so habe ich es im Artikel zu unserem Haushaltsbuch bei schwankendem Einkommen beschrieben.
Ein häufiger Denkfehler: Das Kindergeld ist kein Bonus obendrauf. Es ist fürs Kind da, und das Kind kostet ab dem ersten Tag Geld. Ich rechne es deshalb als Einnahme ein, plane auf der Ausgabenseite aber auch eine eigene Kategorie für Baby und Kind.
Schritt 2: Fixkosten durchrechnen
Danach kommen die Ausgaben. Ich habe zuerst die Fixkosten aufgeschrieben, also alles, was jeden Monat sicher abgeht: Miete, Strom, Versicherungen, Handy, Internet, Abos, Auto. Dann die Lebenshaltung wie Lebensmittel und Drogerie.
Bei uns bleibt die Aufteilung auch in der Elternzeit bei 50/50. Jeder zahlt die Hälfte der gemeinsamen Kosten. Das war für mich aber keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis dieser Rechnung. Ich habe geprüft, ob meine Hälfte mit Elterngeld und Nebenverdienst gedeckt ist. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich vorher noch mehr zurückgelegt. Wie wir gemeinsames und eigenes Geld trennen, steht im Haushaltsbuch-Artikel beim Drei-Konten-Modell.
Wenn ihr anders aufteilt, zum Beispiel nach Einkommen, ist das genauso legitim. Wichtig ist nur, dass ihr es vor der Geburt besprecht und nicht erst, wenn das Konto im Minus ist.
Gekürzt haben wir übrigens an drei Stellen: Wir gehen seltener essen, wir haben alle Abos durchgesehen und einige gekündigt, und wir haben unsere Versicherungen verglichen und optimiert. Nichts davon ist spektakulär. Zusammen macht es trotzdem jeden Monat einen spürbaren Unterschied.
Kosten, die man gern vergisst
Zwei Posten tauchen in den meisten Budgetplänen nicht auf und können trotzdem richtig ins Geld gehen.
Die Steuer im Jahr danach. Elterngeld ist steuerfrei. Es unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt, es erhöht den Steuersatz auf dein übriges Einkommen. Bekommst du im Jahr mehr als 410 Euro Elterngeld, musst du eine Steuererklärung abgeben, und oft folgt eine Nachzahlung. Plan dafür lieber gleich einen Betrag in deiner Rücklage ein.
Die Krankenversicherung. Wer gesetzlich pflichtversichert ist, zahlt während des Elterngeldbezugs in der Regel keine Beiträge. Bist du freiwillig gesetzlich versichert, zum Beispiel als Selbstständige, laufen die Beiträge oft weiter. Frag bei deiner Krankenkasse nach, bevor du deine Ausgaben planst.
Wie viel Geld solltest du für die Elternzeit sparen?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Du kannst sie aber ziemlich genau ausrechnen:
- Ausgaben pro Monat minus Basis-Einkommen pro Monat. Das ist deine monatliche Lücke.
- Die Lücke mal die Zahl der Monate, in denen sie besteht.
- Dazu ein Puffer für die ersten zwei bis drei Monate, falls das Elterngeld später kommt.
- Dazu ein Betrag für eine mögliche Steuernachzahlung.
Ein Beispiel mit runden Zahlen: Deine Hälfte der Kosten liegt bei 1.400 Euro. Im ElterngeldPlus bekommst du 600 Euro, mit Kindergeld und einem kleinen Nebenverdienst kommst du auf 1.100 Euro. Die Lücke ist 300 Euro im Monat. Bei zwölf Monaten ElterngeldPlus sind das 3.600 Euro, plus Puffer für die Startphase.
Ich habe es mir noch etwas einfacher gemacht. Meine Rücklage ist so groß, dass ich jeden ElterngeldPlus-Monat auf die Höhe eines Basiselterngeld-Monats aufstocken kann, falls mein Nebenverdienst mal nicht reicht. Damit weiß ich: Selbst im schlechtesten Fall haben wir so viel, als hätte ich Basiselterngeld genommen. Wenn du das Geld nicht brauchst, ist es nicht weg. Es bleibt einfach als Reserve für die Zeit danach.
Wenn das Elterngeld trotzdem nicht reicht
Manchmal hilft auch die beste Planung nicht, etwa wenn das Einkommen vor der Geburt schon niedrig war. Dann lohnt sich ein Blick auf staatliche Leistungen, die viele gar nicht auf dem Schirm haben:
- Kinderzuschlag: bis zu 297 Euro pro Kind und Monat für Familien mit kleinem Einkommen, beantragt bei der Familienkasse.
- Wohngeld: ein Zuschuss zur Miete, beantragt bei der Wohngeldstelle deiner Stadt oder Gemeinde.
Das Elterngeld zählt dort als Einkommen, aber nicht komplett. Beim Wohngeld bleiben bis zu 300 Euro Elterngeld im Monat unberücksichtigt, beim ElterngeldPlus bis zu 150 Euro. Beim Kinderzuschlag gilt dieser Freibetrag nur, wenn du vor der Geburt gearbeitet hast. Ob du Anspruch hast, rechnet die zuständige Stelle aus. Die Familienkasse hat dafür einen Online-Check zum Kinderzuschlag.
Mein Rat: Stell den Antrag lieber einmal zu viel. Eine Ablehnung kostet dich nichts außer ein bisschen Zeit.
Mein Tipp
Fang mit der Rechnung an, nicht mit dem Sparen. Solange du nicht weißt, wie groß eure Lücke ist, sparst du entweder zu wenig oder machst dir unnötig Sorgen. Weil ich die Zahlen vorher schwarz auf weiß hatte, hat mich beim Geld in der Elternzeit eigentlich nichts überrascht. Genau das war der Plan.
Und wenn du gerade erst planst, welche Elterngeld-Variante ihr nehmt: Im kompletten Guide zum Elterngeld und im Artikel zum Partnerschaftsbonus findest du die Grundlagen dafür.
Für die Rechnung selbst habe ich mir eine Tabelle gebaut, die in Excel und in Google Tabellen läuft. Du trägst dein Basis-Einkommen und eure Ausgaben ein, und Puffer, Ampel und Sparziele rechnen automatisch mit. Du findest das Haushaltsbudget bei meinen Tools.
Keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Beträge gelten für 2026, maßgeblich ist immer der Bescheid deiner Elterngeldstelle.
Häufige Fragen
Was kann ich tun, wenn das Elterngeld nicht für die Miete reicht?
Prüf zuerst, ob du Wohngeld oder Kinderzuschlag bekommen kannst. Beides lässt sich mit Elterngeld kombinieren. Kurzfristig hilft es, die Elterngeldstelle schriftlich auf die finanzielle Notlage hinzuweisen, wenn die Zahlung auf sich warten lässt.
Wie viel Geld sollte ich für die Elternzeit sparen?
So viel, wie eure monatliche Lücke mal die Zahl der Monate ergibt, plus einen Puffer für zwei bis drei Monate Wartezeit aufs Elterngeld und etwas für eine mögliche Steuernachzahlung.
Zählt das Kindergeld beim Elterngeld als Einkommen?
Nein. Das Kindergeld wird nicht auf das Elterngeld angerechnet. Du bekommst beides.
Muss ich wegen des Elterngelds Steuern nachzahlen?
Das Elterngeld selbst ist steuerfrei. Durch den Progressionsvorbehalt steigt aber der Steuersatz auf dein übriges Einkommen, deshalb kommt es oft zu einer Nachzahlung. Ab 410 Euro Elterngeld im Jahr ist die Steuererklärung Pflicht.
Quellen (Recherche 17.10.2026):
- § 2 BEEG, Höhe des Elterngeldes
- § 3 BEEG, Anrechnung von anderen Einnahmen (Mutterschaftsgeld)
- § 7 BEEG, Antragstellung (rückwirkend höchstens drei Monate)
- § 8 BEEG, Auskunftspflicht und vorläufige Zahlung
- § 10 BEEG, Verhältnis zu anderen Sozialleistungen
- § 32b EStG, Progressionsvorbehalt
- § 224 SGB V, Beitragsfreiheit bei Elterngeld
- Familienportal des Bundes: Elterngeld
- Familienkasse: Kinderzuschlag
- elterngeld.net: Elterngeld und Kinderzuschlag
Weitere Artikel:
- Haushaltsbuch für Familien mit schwankendem Einkommen: Mein System
- Elterngeld 2026 für Selbstständige: Der komplette Guide
- ElterngeldPlus und Basiselterngeld mischen
- Partnerschaftsbonus: Lohnt er sich?
- Rot, Gelb, Grün: Wie ich meine Einnahmen in der Elternzeit einteile
- Das Zuflussprinzip beim Elterngeld
- Erstausstattung Baby: Was wir wirklich gekauft haben

